Woher das Wasser auf der Wasserscheide kommt
Der Fanjingshan liegt im Übergangsgebiet vom Yunnan-Guizhou-Plateau zu den Hügeln im Westen Hunans und ist eine der Wasserscheiden zwischen Wu-Fluss und Yuan-Fluss. Das Bergmassiv hat gewaltige Höhenunterschiede und zeigt die typische Form eines Kuppelbergs; das Wassersystem des Gipfels strömt von dort in alle Richtungen, dicht gesäumt von Bächen und Schluchten – mit „neunundneunzig Bächen“ wird ihre große Zahl umschrieben. An den Gefällestufen stürzt das Wasser herab und bildet zahlreiche Wasserfälle; das Rauschen des Wassers harmoniert mit der Berglandschaft und verleiht diesem alten Massiv Lebendigkeit.
Der Jahresniederschlag ist hier hoch – die Region gehört zu den regenreichsten der Provinz. Der reichliche Wasserdampf nährt sowohl die dichten Wälder als auch die Wolkenmeere in der Höhe. Anders gesagt: Die Bäche und Wasserfälle im Berg, die Wolken und Nebel auf dem Gipfel und der üppige Wald sind verschiedene Seiten ein und derselben Sache.
Je nach Jahreszeit hat das Wasser seinen eigenen Reiz
Der Wasserfluss ändert sich mit Jahreszeit und Niederschlag, das Erlebnis unterscheidet sich deutlich – vor der Abreise kann man den Zeitraum nach eigenen Vorlieben wählen.
- Regenzeit und wasserreiche Zeit: Bäche und Wasserfälle führen reichlich Wasser, das Rauschen ist mächtig – am eindrucksvollsten.
- Sonnenschein nach Regen: Wolken, Nebel und Wasserdampf verweben sich, die Wasserfälle erscheinen und verschwinden – ein eigener, verträumter Reiz.
- Herbst und Winter mit Niedrigwasser: Weniger Wasser, doch die Bachsteine sind klar und das Wasser rein – ideal zum stillen Betrachten.
Dem Wasser lauschen und die Berge betrachten – eine willkommene Abwechslung beim Wandern. Unter sicheren Bedingungen das Zwiegespräch von Wasser und Berg still zu erleben, bringt oft mehr als schnelles Vorankommen.
Wasser und Geologie: die Steine am Wegesrand verstehen
Der Fanjingshan ist eine der alten Regionen im Süden Chinas, die sich früh aus dem Meer zu Land erhoben haben, und bewahrt Gesteinsschichten und Landformen aus der Zeit vor etwa 1 bis 1,4 Milliarden Jahren. Einsame Felsgipfel, jähe Klippen und tiefe Schluchten – die Erosion von Wind und Wetter über Hunderte Millionen Jahre hat hier einzigartige Felslandschaften geformt. Die metamorphen Gesteine des Gipfels liegen nahezu horizontal und weisen ausgeprägte vertikale Klüfte auf; nach Verwitterung und Einsturz entstanden Felstürme und -steine wie der Pilzfelsen, der Adlerfelsen, die Zehntausend Bücher und der General-Kopf. Durch Tektonik und Wassererosion entstanden zudem tiefe, steile Schluchten und Kastenlandschaften.
Am Wegesrand kann man die nahezu horizontale Lagerung der Gesteinsschichten und die ausgeprägten vertikalen Klüfte beobachten und verstehen, wie der „oben breite, unten schmale“ Pilzfelsen und die steilen Wände einsamer Gipfel durch Verwitterung und Erosion geformt wurden; zusammen mit Schluchten, Kastenlandschaften und Wasserfällen lässt sich die langfristige Wirkung von Wasser und Tektonik nachvollziehen. Mit etwas geologischem Hintergrund sieht man beim Wandern nicht nur „Steine“, sondern ein Stück Erdgeschichte über Hunderte Millionen Jahre.
Hinweise zum Betrachten und zur Sicherheit
- Auf freigegebenen Wegen und an Aussichtspunkten bleiben, nicht an rutschige Klippenränder oder Teichufer treten.
- In der Regenzeit kommen Sturzfluten schnell – nicht in Schluchten und Flussbetten verweilen und nicht durchs Wasser waten.
- Die Felsen sind rutschig – beim Aussuchen des Motivs und beim Fotografieren fest stehen und sich festhalten, auf den Untergrund achten.
- Geologische Sehenswürdigkeiten liegen meist entlang der Wege und im Gipfelbereich – bitte im freigegebenen Bereich bleiben, keine Felsen erklettern und keine Proben abschlagen, damit diese wertvollen geologischen Zeugnisse lange erhalten bleiben.